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Neue Strategie im Umgang mit Plastikabfall überfällig

Mit einer „Plastikstrategie“ will die EU-Kommission die Flut von Kunststoffabfällen in den Griff bekommen. Ziel ist es, Plastikabfälle effektiver zu vermeiden, die Recyclingfähigkeit zu verbessern und einen Markt für recycelbare Produkte zu schaffen. Bei der Abfallwirtschaft Lahn-Dill, Eigenbetrieb des Lahn-Dill-Kreises, begrüßt man die Initiative ausdrücklich. „Eine neue Strategie im Umgang mit Plastikmüll ist überfällig. Als kommunaler Entsorger können wir immer nur an die Vernunft der Verbraucher appellieren, eine Änderung des Systems muss woanders angestoßen werden“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber.

Im Lahn-Dill-Kreis werden jährlich fast 6000 Tonnen Leichtverpackungen über den Gelben Sack eingesammelt – 23 Kilogramm pro Einwohner. Das allermeiste davon Kunststoffe. Zuständig sind aber nicht der Kreis oder seine Abfallwirtschaft, sondern die Dualen Systeme. „Wir haben also keinen Einfluss darauf, wie viel davon werkstofflich verwertet wird“, stellt der Umweltdezernent fest. Europaweit sind es laut einer Studie der GVM (Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung) weniger als 30 Prozent. „Wenn dann auch noch bekannt wird, dass Plastikabfälle ins Ausland exportiert werden statt sie hier zu recyceln, torpediert das die Anstrengungen unserer Bürgerinnen und Bürger bei der Abfalltrennung.“

Kunststoffabfälle aus dem Lahn-Dill-Kreis, die nicht in den Gelben Sack gehören, werden über die Restabfalltonne eingesammelt und mit dem anderen Restabfall – insgesamt 51.000 Tonnen pro Jahr – zu Ersatzbrennstoff aufbereitet, der in einem Kraftwerk im nordhessischen Witzenhausen energetisch verwertet wird. Wie hoch der Plastikanteil ist, lässt sich nicht beziffern. Eine gesonderte Erfassung und Vermarktung von Plastikabfall sei für die Kommunen derzeit nicht leistbar. „Zumindest für Hartkunststoffe mit der Kennzeichnung PE (Polyethylen) oder PP (Polypropylen) haben wir aber die Möglichkeit geschaffen, sie im Abfallwirtschaftszentrum Aßlar kostenlos abzugeben“, so Schreiber. Dazu zählen z.B. Kanister, Eimer, Wassertonnen, Wäschekörbe, Gießkannen oder auch Bobby-Cars.

Noch besser als Recycling sei aber, wenn Abfall erst gar nicht entsteht. Verpflichtende Vorgaben an die Hersteller könnten einen entscheidenden Beitrag zur Abfallvermeidung leisten. Mehrweglösungen oder die Reparierbarkeit von Produkten, wie der VKU (Verband kommunaler Unternehmen) sie fordert, sowie Ideen aus dem „Cradle-to-Cradle“-Konzept (Von der Wiege zur Wiege), sollten schon beim Design berücksichtigt werden. „Die geeigneten Maßnahmen müssen weit vor der Phase der Entsorgung ergriffen werden“, erklärt Schreiber. Aber auch die Verbraucher können ihren Teil beitragen, indem sie z.B. Mehrwegprodukte bevorzugen und unnötige Mehrfachverpackungen meiden sowie Reparatur-Cafés und Verschenkmärkte nutzen, wie sie auch im Lahn-Dill-Kreis angeboten werden. 

Link zur Pressemitteilung des VKU: https://www.vku.de/presse/pressemitteilungen/vku-zur-eu-plastikstrategie-abfallvermeidung-und-oekodesign-in-den-vordergrund-stellen/