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Plastik gelangt über den Kompost in unsere Böden

Über Mikroplastik ihn den Weltmeeren wird viel gesprochen. Doch braucht es nicht das Meer vor der Haustür, um auf kleine und große Kunststoffeinträge zu stoßen an Stellen, wo diese nun wirklich nichts verloren haben. Oft reicht schon der Weg zur Biotonne. Denn die unsachgemäße Trennung von Bioabfällen ist neben der illegalen Abfallentsorgung oder auch dem Abrieb von Autoreifen eine der Ursachen für Kunststoffe in unseren Böden. Im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung vom 21. bis 29. November, macht die Abfallwirtschaft Lahn-Dill auf das Problem aufmerksam und bittet darum, Bioabfälle richtig zu trennen.

Wie überall in Deutschland werden auch im Lahn-Dill-Kreis Bioabfälle getrennt gesammelt – über die braunen Tonnen. Und das schon seit 1992, lange bevor die Biotonne bundesweit zur Pflicht wurde (2015). Es handelt sich um rund 25.000 Tonnen jährlich und damit um knapp100 Kilogramm Bioabfall pro Kreiseinwohner. Bioabfall ist damit die größte Wertstofffraktion unter den Haushaltsabfällen. Eigentlich ist das Sortieren von Bioabfällen also alltäglich gelebte Praxis. Dennoch landen immer noch Kunststoffe im Bioabfall – vor allem Plastiktüten.

Guter Bioabfall = guter Kompost

Unser Bioabfall wird zu Kompost verarbeitet, der meist in der Landwirtschaft zur Verbesserung der Böden eingesetzt wird. Ist das gesammelte Biogut durch Kunststoffe verunreinigt, führt das dazu, dass kleinste Plastikteile auf die Felder gelangen. Trotz Nachsortierung und Absiebungen im Kompostwerk sind solche Fremdbestandteile nicht mehr zu vermeiden. Die Qualität des Kompostes ist also direkt abhängig von der Qualität des Bioabfalls. „Durch Kontrollen und Öffentlichkeitsarbeit haben wir eine Sensibilisierung erreichen können. Dennoch bleibt das Thema ein Dauerbrenner“, sagt Frank Dworaczek, Kfm. Betriebsleiter der Abfallwirtschaft.

Doch warum landet überhaupt Plastik in der Biotonne? Manchmal sind es Blumentöpfe oder Kaffeekapseln, die vielleicht versehentlich in die braune Tonne geworfen wurden. Ganz überwiegend aber handelt es sich um Plastiktüten. Diese werden noch immer gerne bei der Vorsortierung der Bioabfälle in der Küche verwendet, um etwa den Abfalleimer damit auszukleiden. Das Problem: Die Tüten werden dann einfach mit in die Biotonne geworfen. Aber auch die „kompostierbaren Biotüten“, wie sie inzwischen im Supermarkt angeboten werden, sind keine wirkliche Alternative, denn sie zersetzen sich in den modernen Kompostanlagen meist nicht wie gewünscht und landen dann ebenfalls als Schnipsel auf dem Feld.

Eimer ausspülen statt Tüten wegwerfen

Einfacher und preiswerter ist es, bei der Vorsortierung von feuchten Bioabfällen aus der Küche auf Zeitungspapier oder Papiertüten zurückzugreifen. Diese zersetzen sich im Rotteprozess rasch und schaden dem Endprodukt nicht. Für eine gänzlich „tütenfreie“ Vorsortierung von Bioabfällen empfiehlt die Abfallwirtschaft Lahn-Dill, kleine Eimer zu nutzen, die man regelmäßig ausspülen kann. Im Abfallwirtschaftszentrum Aßlar z.B. kann man für sechs Euro 10-Liter-Vorsortierbehälter mit Deckel erhalten. Es kann aber selbstverständlich auch jedes andere Gefäß mit oder ohne Papiereinlage sein. Hauptsache man verzichtet auf Kunststofftüten.

Fremdeinträge durch Kunststoffe sind durchaus keine Bagatelle, und sie können auch wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen. Nur ganz gering verunreinigte Komposte erhalten noch eine RAL-Gütesicherung durch die Bundesgütergemeinschaft Kompost (BGK). Und es gibt verschärfte Grenzwerte durch die Düngemittelverordnung. Diese erlaubt bei verformbaren Kunststoffen – also Folien und Tüten – nur einen maximalen Eintrag von 0,1 Gewichtsprozent an Partikeln (ab zwei Millimeter) in der Trockenmasse. Stark verunreinigter Bioabfall ist somit für die Herstellung von Kompost nicht mehr zu gebrauchen und muss als Restabfall entsorgt werden.